Sonntag, 11. Dezember 2011

Das Leben danach

Nun ist es bereits 3 Monate her, dass wir zu Hause in Point Lonsdale, in der Nähe von Melbourne, Australien, ankamen, und es ist an der Zeit für ein Update.

Am Ende unserer 18,000km Fahrradtour waren wir bereit, zu Hause anzukommen und uns nicht mehr weiterzubewegen. Da wir in den letzten 10 Jahren nicht in Australien gelebt haben, gab es einiges zu tun, um uns hier einzuleben. Bisher hatten wir das Glueck, für verschiedene Verwandte Haushüten zu dürfen, so dass wir mehrere Gegenden ausprobieren konnten. Wir fühlen uns nun insbesondere in Ocean Grove sehr zu Hause, einem kleinen Städtchen am Strand, ca 1.5 Stunden südlich von Melbourne, in dem auch Guy’s Cousine sowie einige Freunde wohnen.

Point Lonsdale Strand  Queenscliff Boote

Ausruhen ist aber nichts für uns, und so stürzten wir uns gleich in die nächste Herausforderung und gründeten eine Firma! Wir beschlossen, unsere Kräfte zu vereinen und gemeinsam eine Agentur für Web-Design, -Entwicklung und Internetmarketing namens Ondetto zu gründen. Zum Glück bekam Guy schon einige Projekte von Kunden aus England, die ihn für die letzten paar Monate beschäftigten, so dass Frederike sich auf den Papierkram konzentrieren konnte, um die Firma zu gründen, unsere Geschäftsprozesse und Technologien zu definieren etc. Nun sind wir offen und brauchen nur noch ein paar mehr Kunden :-)

Als wir zurückkamen, kamen wir mit Guy’s Schule, Geelong Grammar, in Kontakt und wurden eingeladen, dort ein paar Vorträge zu halten. Nachdem wir unsere Tausende von Fotos sortiert und sie in eine Präsentation verwandelt hatten, besuchten wir die Schule und hielten zwei Geographie-Stunden für Zehntklässler. Wir waren etwas nervös, entspannten uns aber schnell, als uns klarwurde, dass die Schüler offensichtlich die Ablenkung von ihrer normalen Routine genossen. Letzte Woche hielten wir noch einen Vortrag, diesmal für Fünftklässler der Ocean Grove Grundschule. Unsere Fahrräder kamen mit uns auf die Bühne und wir waren sehr gerührt, als die ganze Klasse danach auf die Bühne kam, um Fragen über die Fahrräder und die Tour zu stellen. Wir mussten zwar einiges an Zeit investieren, um uns für diese Präsentationen vorzubereiten, es war aber auch sehr schön, unsere Erfahrungen an die Schüler weiterzugeben.

Wir gaben auch ein paar Interviews an die Lokalpresse und erschienen in der Online-Ausgabe von der Melbourner Zeitung The Age, einem ganzseitigen Interview im Geelong Advertiser, sowie in The Rip und der Otway Tourism Newsletter.

Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an Kerry von unserem Blog. Sie war die inspirierende Mutter, die alleine in 30 Tagen von Geelong nach Darwin radelte, um ihren Uni-Abschluss abzuholen. Da sie auch hier in der Gegend wohnt, trafen wir sie und ihren Sohn auf einen Kaffee. Es war schön, sie wiederzusehen und ziemlich lustig, als sie uns erzählte, dass sie von einer Lastwagenfahrer-Vereinigung eingeladen wurde, eine Rede über ihre Radtour zu halten.

Da wir auf unserer Reise so viel Gastfreundschaft erfahren haben, freuten wir uns auch, dass wir Rog und Dee für eine Nacht beherbergen konnten. Wir hatten über das letzte Jahr ihren Blog verfolgt und waren in Email-Kontakt, so dass es schön war, sie endlich persönlich zu treffen.

Kerrz Rog and Dee

Mögen wir noch radfahren? Ein oder zweimal die Woche holen wir die Fahrräder raus und drehen eine Runde, aber nur wenn das Wetter gut ist. Wir freuen uns darauf, in Zukunft andere Radtouren zu unternehmen, aber im Moment lassen wir es erstmal gemütlich angehen. Hier gibt es eine gute Surf-Szene, die wir gerade entdecken – es ist schön, zur Abwechslung mal andere Muskeln zu benutzen.

Nachdem wir so lange weg waren, ist es toll, Zeit mit der Familie und Freunden zu verbringen und zu wissen, dass wir nun hierbleiben und ein paar Wurzeln schlagen werden.

Samstag, 8. Oktober 2011

Danke

Nun da wir unsere 18,000km Fahrradtour beendet und einige Wochen lang Bewunderung auf uns gezogen haben, ist es an der Zeit, zuzugeben, dass wir es nie ohne die Hilfe der vielen freundlichen Leute geschafft hätten, die uns unterwegs ausgeholfen haben.

Während wir unsere Tour planten, lasen wir viele inspirierende Blogs und Bücher und baten mehrere erfahrene Tourenradfahrer um Rat. Insbesondere half uns Anne Mustoe’s Buch A Bike Ride, das unsere erste Inspiration war, sowie Alastair Humphrey’s fantastische Bücher über seine Weltumrundung mit dem Fahrrad.

Al Humphreys organisierte auch einen Abend in einem Pub in London, wo wir andere Tourenradfahrer trafen – Friedel und Andrew von TravellingTwo, die uns bereits vor unserem Treffen mit vielen Ratschlägen geholfen hatten, und die seitdem ein Buch voller Tips und Informationen geschrieben haben. Wir trafen dort auch Justin und Emma von Rolling Tales, die selber kurz vor ihrem Aufbruch in Richtung Neuseeland waren und die wir später in der Türkei wiedersahen, und Di, mit der wir letztendlich von Budapest nach Istanbul fuhren. Tara und Tyler von Going Slowly beantworteten unsere vielen Fragen via Skype von ihrem Zelt in Rumänien aus und wir trafen sie später in Bangkok endlich persönlich. Viele andere Blogs halfen uns mit Inspiration und praktischen Ratschlägen und gaben uns Mut, auf unsere eigene Tour aufzubrechen.

An unserem ersten Tag begleiteten unsere Freunde Gerry und Dom uns durch London. Am ersten Abend bot uns Andrea in Dartford durch die Warmshowers Webseite ein Bett an, was ein toller Anfang unserer Reise war. Auf unserer Tour wurden wir von vielen anderen Leuten eingeladen, in ihren Häusern zu übernachten: Catherine & Mathieu in Metz, Charlotte in Strasbourg, Sandra & Alex in Böblingen, Jürgen in Wien, Ulas in der Türkei, Hossein & Sohra in Iran, Mahmud & Mahdie in Iran, Ahmad und seine Familie in Iran, Melanie in Abu Dhabi, Chuen und seine Mutter in Singapur, Ruth & Glen in Darwin, Paul & Jenny in Adelaide, John & Rachel in Timboon, Peter & Corinne in Wye River und Tony & Pam in Fairhaven für die letzte Nacht unserer Tour.

Unzählige Leute halfen uns unterwegs, indem sie mit uns sprachen, uns den Weg zeigten, uns Essen oder Getränke schenkten, winkten, uns den Daumen-hoch gaben, eine Mahlzeit kauften oder uns in ihre Häuser einluden, uns in ihren Gärten zelten ließen, ihre Gegend zeigten oder sogar Wasser für uns im Australischen Outback versteckten. Wir hatten zu viele Helfer, um sie individuell aufzuzählen, aber Ihr wisst, wer Ihr seid, und wir werden Eure guten Taten nie vergessen.

Unterwegs kamen uns einige unserer Freunde und Familienangehörigen besuchen. Es war toll, bekannte Gesichter zu sehen. Gudrun traf uns in Ulm, Frederike’s Eltern, Schwester und Schwager besuchten uns in Wien, Tony zeigte uns Budapest, Janne & Marco und Gerry kamen nach Istanbul, Abhishek & Priya und Amol führten uns in die indische Kultur und Mumbai ein, Nick & Aom trafen uns in Bangkok und Nick fuhr eine Woche mit uns durch Thailand, wir trafen Beng in Malaysien, Tze-Ern und Ben luden uns für ein Abendessen in Singapur ein und Guy’s Schwester Justine besuchte uns in Adelaide. Der Preis für die meisten Besuche geht aber an Frederike’s Vater Gerhard, der uns 3 mal besuchte – in Wien, Istanbul und Dubai. Jedesmal brachte er ein Paket voller Ersatzteile mit und lud uns in ein nettes Hotel ein.

Ein besonderes Dankeschön geht an alle, die eine Spende an SOS Kinderdörfer gemacht haben, um unsere Fahrt to sponsern, und an die Organisation selbst, die uns einlud, eines ihrer Dörfer in Kerala, Indien, zu besuchen.

Als wir unsere Tour planten, stellten wir sicher, dass unsere Ausrüstung von hoher Qualität, haltbar und leicht war. Die Unternehmen, die unsere Ausrüstung herstellten, sind zum Großteil sehr hilfsbereit gewesen, wenn doch etwas schiefging. Icebreaker ersetzte umsonst ein verschlissenes T-Shirt, Ortlieb schickte uns Ersatzklemmen für unsere Satteltaschen, Thermarest schickte uns zwei (!) neue Schlafmatten (die Original-Matte war kaputtgegangen und die erste Ersatzmatte war in der Post verlorengegangen), General Ecology sponserte uns eine neue First Need Wasserfilterkartusche, und Bikesportz sponserte uns neue Panaracer Reifen.

Ein großes Dankeschön an das Team von SJS, das unsere Thorn Raven Fahrräder gebaut hat, die uns treu über 23,000km gedient haben ohne ernsthafte Probleme, nicht mal eine Speiche ist gebrochen! Die Fahrräder waren der wichtigste Teil unserer Ausrüstung und sie haben uns nie im Stich gelassen. Unsere Upgrades auf doppelwandige Felgen, extra starke Speichen und die Rohloff-Nabe haben dabei einen wichtigen Teil gespielt.

Unsere Familien waren extrem geduldig und unterstützend. Obwohl sie sich manchmal Sorgen um uns machten, beklagten sie sich nie über unsere lange Tour und versuchten immer so zu tun, als ob es normal wäre, dass wir sie aus einer Telefonzelle in Iran anriefen, um anzukündigen, dass wir jetzt für die nächsten 8 Tage nicht erreichbar wären, da wir durch eine Wüste durchqueren mussten.

Es hat uns wirklich Spaß gemacht, diesen Blog zu schreiben und durch unsere Webseite, Twitter und in letzter Zeit auch Facebook Kontakte zu netten Leuten zu knüpfen. Wir finden es immer noch ziemlich aufregend, wenn jemand uns eine Nachricht schreibt, und die Ermunterung unserer Leser hat uns durch einige schwere Zeiten geholfen. Insbesondere durch Twitter knüpften wir unterwegs Kontakte zu vielen interessanten Leuten, die selber auf einer großen Radtour waren.

Wir hoffen, dass wir an die Leute, die gerade ihre eigene Reise planen, einige nützliche Informationen weitergeben konnten um den Kreis zu schließen und zurückzugeben, was wir an Ratschlägen und Ermutigung erhielten, als wir unsere Tour begannen.

-- DANKE!

Sonntag, 2. Oktober 2011

Wie Alles Begann

“Das Ziel der Lebensreise ist nicht, sicher und mit einem gut erhaltenen Körper im Grab anzukommen, sondern seitwärts hineinzuschlittern, völlig erschöpft und dabei zu schreien “Heiliger Mist, was für eine Fahrt”” – Mavis Leyrer

Einige Leute haben uns gefragt, wie wir überhaupt auf diese verrückte Idee kamen, mit dem Fahrrad nach Australien zu fahren.

Wir beide sind früher regelmäßig fahrradgefahren, haben aber nie etwas extremeres gemacht. Als wir 2003 in Kambodscha waren, liehen wir uns Fahrräder, um für einige Tage die Ruinen von Angkor Wat zu erkunden. Dabei kamen wir auf den Geschmack, in fremden Ländern radzufahren. Uns gefiel einfach die Unabhängigkeit: Wir konnten überall hinfahren wo es uns gefiel, und wir fanden dass die Kinder diese Fremden auf ihren Fahrrädern ziemlich interessant fanden. Es half, kulturelle Kluften zu überbrücken.

Dennoch dachten wir nie darüber nach, größere Radtouren zu unternehmen; wir nahmen an, dass das eher “richtigen” Abenteurern vorbehalten war. Das änderte sich, als Guy ein Buch von einer älteren englischen Dame namens Anne Mustoe las. Sie konnte keinen Platten reparieren, war nicht sportlich, mochte nicht zelten, aber sie fuhr alleine mit ihrem Fahrrad um die Welt, und zwar zweimal!

Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr gefiel Guy die Idee einer Radtour von England nach Australien. Wir hatten schließlich diese faszinierenden Länder schon öfter von einem Flugzeug aus gesehen, und es musste viel aufregender sein, sie mit dem Fahrrad zu erkunden. Frederike war nicht so sicher, es war ja wirklich sehr weit und wir hatten noch nie eine Radtour von mehr als ein paar Stunden gemacht.

Um zu versuchen, Frederike davon zu überzeugen, dass es eine vernünftige Sache war, mit dem Fahrrad nach Australien zu fahren, probierten wir das Ganze in einer Umgebung aus, die uns mit Sicherheit an unsere Grenzen führen würde, und zwar in der Provence.

Nach einer Woche, in der wir gemütlich durch die sonnigen Weingegenden meanderten und in schnuckeligen Pensionen übernachteten, verkündete Frederike, dass sie bereit für die Weltreise war. So schwer konnte das ja nicht sein.

Wir begannen, Vorbereitungen für die Tour zu treffen, zeichneten Linien auf Landkarten, verbrachten Stunden in Buchläden, um Reiseführer zu wälzen, und kauften Dinge, von denen wir noch nie gehört hatten. Die Sache wurde ernster, als wir in unsere Tourenräder investierten. Vorher hatten wir immer nur ältere Fahrräder gehabt, daher waren wir ziemlich beeindruckt, als wir das erste Mal mit unseren schönen neuen Thorn Raven Tourenrädern fuhren. 

Wir konnten es nicht abwarten, bis sie uns geliefert wurden, und so fuhren wir einen halben Tag mit dem Zug, um sie selber abzuholen. Über die nächsten drei Tage radelten wir die 180km zurück nach Hause, in strömendem Regen und auf matschigen Kanalwegen, und wir hatten viel Spaß dabei. Klar, das Radfahren war miserabel, aber wir fühlten uns glücklich, draußen in der Natur zu sein und in einem Tempo zu reisen, bei dem wir die Details der Welt um uns herum sehen konnten.

Als unsere vielen Bestellungen ankamen und unsere kleine Wohnung in London fast wie ein Outdoor Laden aussah, dachten wir, dass wir uns vielleicht herausfordern sollten, um auszuprobieren, ob wir mehr als eine Woche auf unseren Fahrrädern aushalten könnten.

Da wir in England wohnten, dachten wir, dass eine Fahrt von Lands End im Süden nach John O’Groats im Norden passend wäre. Es tat weh, die Tage waren lang, wir hielten kaum an, die Landschaft war schön aber wir hatten kaum Zeit, sie zu genießen. Wir schafften die Fahrt, die wir uns vorgenommen hatten, aber es brachte uns fast um. Eine Radtour mit einem sehr strengen Zeitplan war nichts für uns. Wir standen lieber etwas später auf und genossen unser Frühstück. Wir wollten mit den Bauern in ihren Feldern reden oder einer Raupe über die Straße helfen. Wir wollten diese Reise nicht nur als Herausforderung sehen, sondern den Lebensstil, die Abenteuer und Entdeckungen auf dem Weg genießen.

Nachdem uns dies klar war, planten wir genügend Zeit für unsere Radtour nach Australien ein, so dass wir tagsüber auch für etwas anderes Zeit hatten, als nur radzufahren. Als der Abreisetag näherkam, konnten wir kaum glauben, was wir vor uns hatten. Mal waren wir optimistisch, und dann hatten wir wieder schwere Zweifel und schlaflose Nächte. Dennoch hatten wir nun bekanntgegeben, was wir vorhatten, und konnten schlecht schon vor der Abreise aufgeben. Also stiegen wir auf unsere Fahrräder und begannen, in Richtung Australien zu strampeln, und unterwegs hatten wir die unglaublichsten Erfahrungen unseres Lebens…

Samstag, 24. September 2011

Unser letzter Tag als Video

Hier ist unser letzter Tag, komprimiert auf 3 Minuten Video. Genießt die kitschige Musik!

Sonntag, 18. September 2011

Über die Ziellinie

Skenes Creek – Point Lonsdale

Die Great Ocean Road ist ein Radfahrer-Mekka. Die Straße schlängelt sich über sanfte Hügel entlang der dramatischen Küste. Alle paar Kilometer verspricht ein Aussichtspunkt Fotogelegenheiten, und an einem Wochentag im frühen Frühling gab es fast keinen Verkehr. Kein Wunder dass Australiens Radler-Elite diese Gegend gefällt und dass sogar der momentane Tour de France Gewinner Cadel Evans hier wohnt, nur 15 Minuten vom Haus von Guy’s Eltern entfernt.

Strand an der Great Ocean Road

Guy’s Vater hatte einige Familienfreunde über unsere Ankunft informiert, die entlang der Küste leben, und so trafen wir Peter unterwegs in der Nähe von Skenes Creek. Er war uns entgegengekommen, um zusammen ein paar Stunden radzufahren. Peter hatte vor ein paar Jahren angefangen radzufahren, als sein Freund Phil Anderson, der in der Vergangenheit einige Etappen der Tour de France gewonnen hatte, ihm sein Fahrrad lieh. Seitdem ist Peter ständig auf seinem Fahrrad unterwegs – wir sind nicht überrascht, denn er wohnt in einem der schönsten Abschnitte der Great Ocean Road.

Wir hatten eigentlich vor, in Wye River zu zelten, aber da Peter hier wohnt, lud er uns netterweise ein, bei ihm und seiner Frau Corinne zu übernachten. Peter und Corinne haben ein unglaublich schönes Haus und auch ein kleines aber luxuriöses B&B auf einem steilen Abhang direkt über dem Meer. Das Wohnzimmer mit seiner 180° Aussicht fühlte sich wie ein Schiffsdeck an, und gerade als wir ankamen spielte eine Gruppe von Delphinen in den Wellen der Bucht unter uns. Im Winter ziehen auch oft Wale am Haus vorbei.

Peter   Freddie und Corinne

Das Dorf Wye River war wie viele andere in dieser Gegend nur per Schiff oder durch einen dichtbewachsenen Waldpfad erreichbar bevor die Great Ocean Road nach dem ersten Weltkrieg durch zurückgekehrte Soldaten gebaut wurde. Der Grund für den Bau der Great Ocean Road war, Arbeit für die Soldaten zu schaffen, und die Gegend erreichbarer für Holzfäller und Touristen zu machen.

Es war unser Glückstag, denn Peter und Corinne waren sehr nett zu uns und verwöhnten uns richtig am vorletzten Abend unserer Reise. Wir schliefen zum Plätschern der Wellen ein und wachten zu einer wunderschönen Aussicht über die Bucht auf. Da wir nur einen kurzen Tag vor uns hatten, genossen wir ein gemütliches Frühstück mit Corinne bevor wir in Richtung Lorne weiterfuhren.

In Lorne trafen wir Tony, einen weiteren Freund von Guy’s Vater und eine frühe Radsport-Inspiration für Guy. Guy erinnert sich noch an einen Tag, an dem Tony Guy’s Eltern besuchte, als Guy 13 war. Tony hatte gerade mit dem Fahrrad Australien umrundet. 15.000km in 72 Tagen! Guy erinnert sich noch genau daran, wie er dachte, dass Tony verrückt war!

 Great Ocean Road  Tony 

Tony hatte uns eingeladen, bei ihm und seiner Frau Pam in Fairhaven zu übernachten. Sie haben dort ein schönes Haus mit Aussicht über den Leuchtturm und das Meer, mit einer kleinen Cottage, die sie früher als B&B vermietet hatten, und die nun unser Heim für die Nacht sein sollte.

Tony und Pam sind so voller Energie und wir hoffen, dass wir später auch ein bisschen wie sie sein werden. Obwohl Tony bereits 70 ist, läuft er immer noch Halbmarathone und schlägt Männer, die nur halb so alt wie er sind, wenn er auf seinem Fahrrad unterwegs ist. Er ist ein toller Sportler und hatte sogar die Ehre, vor den olympischen Spielen in Sydney die olympische Flamme zu tragen.

Mit Tony und Pam   Strand

Wir konnten kaum schlafen, da wir so aufgeregt waren. Was für eine tolle letzte Nacht auf unserer Reise! Wir hatten wirklich Glück.

An unserem letzten Morgen waren wir extra vorsichtig, uns genug Zeit zu nehmen und es jetzt nicht noch zu vermasseln. Wir wollten nicht, dass nun noch etwas schiefginge, so nahe an unserem Ziel.

Daher war Tony überrascht, uns eine Stunde später nur 10km weiter wiederzusehen, wo wir gerade unseren letzten schuldfreien Bäckerei-Besuch hinter uns hatten und die schöne Sonne genossen. Das Wetter war einfach perfekt, ein richtiger Frühlingstag mit 20°C und wolkenlosem Himmel (genau wie wir auch mit schönem Frühlingswetter gesegnet waren, als wir im Mai 2010 London verließen).

Nun fuhren wir an der Surf Coast mit seinen erstklassigen Surf-Stränden entlang. Bells Beach ist in mehreren Surf-Filmen erschienen und richtet einen jährlichen Surfwettbewerb aus, der bereits 1961 begann. Guy bewunderte die Surfbretter, die es überall zu kaufen gab, und freute sich darauf, endlich sein eigenes Surfboard abzustauben, das bei seinen Eltern in der Garage hing.

Surfbretter   Bells Beach

Als wir Barwon Heads erreichten, waren wir wirklich in bekanntem Gebiet. Ein Kaffee bei At The Heads musste einfach sein und war ein bisschen emotional, da wir hier schon oft gewesen waren und nun nur noch 15km von zu Hause entfernt waren.

At The Heads   Point Lonsdale Strand

Wir kamen durch Ocean Grove und rollten bald den Hügel hinunter in Richtung des Dorfs Point Lonsdale und damit dem Ende unserer Tour. Nervös, aufgeregt und mit Schmetterlingen im Bauch widerstanden wir der Versuchung, direkt zum Haus von Guy’s Eltern zu fahren. Erstmal mussten wir den Strand und den Leuchtturm besuchen.

Die Landspitze in Point Lonsdale bildet gemeinsam mit Point Nepean auf der anderen Seite The Rip, den engen Eingangspunkt zu Port Philip Bay. Alle Schiffe von und nach Melbourne müssen durch The Rip fahren, einem der gefährlichsten Gewässer der Welt. Sogar heutzutage, trotz GPS, werden die meisten Schiffe hier noch durch Lotsenboote begleitet, die genau wissen, wo die gefährlichen Riffe sind.

Wir fuhren um die Wette hoch zum Leuchtturm und fühlten uns überwältigt. Wie oft hatten wir diese Szene in unserem Kopf durchgespielt? Es war immer so weit entfernt gewesen, aber jetzt waren wir wirklich hier. WIR HATTEN ES GESCHAFFT!

IN POINT LONSDALE   Point Lonsdale Leuchtturm

Als wir London verließen, wussten wir wegen Frederike’s Rückenproblemen nicht mal, ob wir es überhaupt nach Frankreich schaffen würden, und nun waren wir hier und waren DIE GANZE STRECKE MIT DEM FAHRRAD GEFAHREN (die Rückenschmerzen waren nie wiedergekommen). Die ganzen 18.168 km. Wir hatten immer an diesen kleinen Leuchtturm als unser Ziel gedacht, aber manchmal schien er so unglaublich weit entfernt zu sein. So viel musste klappen, und so viel könnte möglicherweise schiefgehen. Obwohl wir keinen großen Zeitdruck hatten, konnten wir es uns dennoch nicht leisten, für lange Zeit krank zu sein oder wochenlang auf Ersatzteile zu warten.

Wir wussten allerdings auch, dass Aufgeben keine Option war. Die Entscheidung könnte zwar für uns gefällt werden und außer unserer Kontrolle sein, aber wir würden mit Sicherheit nicht einfach aufgeben.

Point Lonsdale Karte

Wir waren besonders stolz darauf, unser ultimatives Ziel zu erreichen und die ganze Strecke mit dem Fahrrad zu fahren (ok, ausser das eine Mal, wo ein Polizist in Iran und dazu zwang, 25km in einem Kleinlaster mitzufahren). Die ganze Strecke mit dem Fahrrad zu fahren war uns aus zwei Gründen wichtig: Erstens hatten einige nette Leute etwas an SOS Kinderdörfer gespendet, im Glauben dass wir mit dem Fahrrad nach Australien fahren würden. Zweitens hätte es für uns auch das Gefühl der Leistung und des Erfolgs vermindert, streckenweise mit dem Zug / Bus / per Anhalter zu fahren.

Plötzlich fuhren wir schon unseren letzten Hügel hoch. Auf der anderen Seite war zu Hause und das Ende einer Ära. Wir standen oben auf dem Hügel und schauten hinunter auf die Ziellinie. Etwas hielt uns zurück und wollte nicht das Nomadenleben aufgeben, an dass wir uns so gewöhnt hatten. Ein anderer Teil von uns wusste aber, dass es nicht immer so weitergehen konnte und wir das auch nicht wollten. Die Zeit war reif, unsere Radtour zu beenden.

Zum letzten Mal betätigten wir die Gangschaltung und rollten hinunter zum Haus von Guy’s Eltern. Wir konnten sie schon aus der Ferne sehen, denn sie warteten bereits auf uns. Richard, Di und ihr kleiner Hund Maddie hatten schon so lange auf diesen Moment gewartet und hatten immer geduldig unsere Umwege und Erkundungen akzeptiert. Sie sahen aber ziemlich froh aus, dass wir nun wirklich endlich da waren!

Guy's Eltern  ZU HAUSE

Nun gab es nichts weiter zu tun als einen Tee zu machen und die Füße hochzulegen!

Donnerstag, 15. September 2011

10 Dinge, Die Wir Vermissen Werden

So kurz vor dem Ende unserer Tour haben wir in letzter Zeit darüber nachgedacht, was wir am meisten vermissen werden, wenn unsere 15-monatige Radtour zuende ist. Hier ist unsere Liste:

1. Die Freiheit und das Abenteuer.

2. Die sofortige Freundschaft und Gemeinschaft mit anderen Radtourern.

3. Verschiedene Länder wirklich intensiv kennenzulernen, und uns dabei manchmal fast wie Stars zu fühlen, durch die ganze Aufmerksamkeit, die unsere Fahrräder auf sich zogen.

4. Im australischen Outback wild zu zelten – abends am Feuer zu sitzen und die Sterne anzuschauen, und dann morgens die Känguruhs um unser Zelt herumhüpfen zu hören.

5. Die ersten Momente einer warmen Dusche nachdem wir mehrere Tage wild gezeltet hatten.

6. Nur wenige Besitztümer und Pflichten zu haben.

7. Immer wieder die Freundlichkeit von Fremden zu erfahren, sei es durch ein Angebot für ein Bett für die Nacht, eine Tasse Tee oder auch nur einen hohen Daumen im Vorbeifahren.

8. Uns fitter, stärker und gesünder zu fühlen als je zuvor

9. Die großen Weiten in Gegenden wie dem australischen Outback und der Türkei.

10. Das befriedigende Gefühl, es nach einem anstrengenden Tag zu unserem Ziel geschafft zu haben.

Mittwoch, 14. September 2011

18.000km Foto

Es fühlte sich fast unwirklich an, bei den 12 Aposteln an der Great Ocean Road angelangt zu sein. Nun waren wir endlich ganz nahe an unserem Ziel, nach 15 Monaten und mit 18.000km unter unseren Rädern.

Dies ist unser letztes Kilometer-Foto, was ein bisschen traurig ist, aber alle guten Dinge müssen auch mal zuende gehen. Wir sind einfach nur glücklich, dass wir unseren Traum verwirklichen konnten und es so weit geschafft haben.

18000km Foto